17. April 2008 Paganfest in Berlin Drucken
Geschrieben von: KeMuBra   
Sonntag, den 20. April 2008 um 00:00 Uhr

Mein Tag! Paganfest in Berlin. Und Jeanny kommt auch...

Pünktlich um halb 10 übernehme ich unser Auto. He he, der Albtraum für jeden Ehemann. Die Frau entführt das beste Stück für zwei Tage. Der Verkehr auf der Autobahn ist normal, nur der Regen fällt in abartigen Massen. Zeitweise ist nichts zu erkennen auf der Straße. Aber auch das meistern wir ohne Probleme. Etwas schwerer wird's mit dem Hotel in Berlin. Hab das Navi mit der falschen Hausnummer gefüttert und lande vor einem etwas heruntergekommenen Wohnhaus in Kreuzberg. Shit happens.  Da kann auch das beste Navi nichts dazu. Nach einer halben Stunde stehe ich dann endlich vor unserem Hotel und atme auf. Ja, das sieht schon besser aus. Das Zimmer ist klein aber fein. Vor allem anderen kommt der Lappi ins Netz. Ich bin schon 4 Stunden offline. Das is nix für einen Junkie wie mich...

In zwei Stunden kommt Jeanny mit dem Zug aus Leipzig. Hey, das wird ein Hallo auf Gleis 7.  Die freundliche Dame an der Rezeption meint, ich bräuchte 15 Minuten bis zum Hauptbahnhof. Ich bin etwas ungläubig. Wir sind hier in Berlin Mitte. Da gibt es nichts, was man in 15 Minuten erreichen kann. Also fahre ich schon um 1 Uhr los. Und komme in den dicksten Verkehr, meine Ahnung he he... Aber ich komme zusammen mit Jeanny's Zug an Gleis 7 an. *schweißabwisch* nun können wir durchstarten. Da der Zug in Berlin endet, hat sich die Deutsche Bahn den Wagenstandsanzeiger geklemmt. Ich hab nu gar keine Ahnung, an welcher Stelle Jeanny aus dem Zug fallen wird. Aber auch das managen wir gekonnt und so liegen wir uns ein paar Minuten in den Armen. Da kennen wir uns nun schon so lange. Endlose Sessions im MySpace und auf MSN. Und heute treffen wir uns endlich. Ich bin so happy. Jeanny is in real life genauso lieb und lustig wie im Web. Na das können zwei muntere Tage werden, hi hi...

Also ab zurück zum Hotel. Den letzten Lack auflegen. Was natürlich nur ein überflüssiges Ritual ist, um sich wohl zu fühlen. Der Look wird binnen einer Stunde im Eimer sein. Wir gehen ja nicht zum Opernball sondern auf das Paganfest.  In unserer Aufregung laufen wir natürlich zunächst in die falsche Richtung. Aber Joggen soll ja gesund sein. Das schreibt zumindest ein Bass-Spieler jeden Tag in seinen Block. He he, danke Rafi, der Tipp war gut. Wir schaffen es trotz allem pünktlich zum SO36, wo wir zunächst nach intelligent wirkenden Personen mit stupiden Plakaten suchen. Aber die Antifa hat wohl die Schwänze eingezogen. Gut für uns. Wir wollen heute Party machen und nicht über schwachsinnige Wortklaubereien diskutieren. Das passt mal eben gar nicht zu dieser Veranstaltung. Die Aufregung im Vorfeld hat uns genug Nerven gekostet.  Wir platzieren uns also vorm SO36 und harren der Dinge, die da kommen wollen und sollen.  Ab und an schlüpfen ein paar Band Members an uns vorbei. Teilweise mit zugekniffenen Gesichtern. Wir können nicht ergründen, ob die Stimmung wegen der angekündigten Antifa-Aktionen gedrückt ist oder ob das einfach heißen soll: Wir haben Stress - bitte nicht anquatschen. Es ist letztendlich auch Banane... Die Stimmung unter den Fans ist gut. Das wird sicher eine super Show.

Endlich öffnen sich uns die Türen zum Allerheiligsten. Allerdings etwas verspätet. Nastrandir sind schon auf der Bühne. Zielstrebig ziehen wir zur Bühne. Anfangs landen wir in der zweiten Reihe, können uns aber sehr schnell in die begehrte erste Reihe vorarbeiten. Ein Knackpunkt hat die ganze Sache aber: Wir haben keine Getränke geholt. Es könnte also etwas trocken werden.  Die Jungs von Nastrandir rocken den Saal. Leider sind nur die ersten Reihen gut gefüllt. Das tut der Stimmung aber keinen Abbruch. Was an Leuten da ist, gibt sein Bestes.

Als Eluveitie die Bühne betreten, füllt sich der Saal zusehends und es wird sehr eng vor der Bühne. Und es wird schlagartig heiß im Raum.  Leider ist die Tonqualität nicht in Ordnung.  Wir hören die Stimme von Chrigel kaum, was ein absoluter Jammer ist. Wir haben uns so sehr auf diese Band gefreut und nun das. Nicht zu ändern. Der Stimmung im Saal tut das keinen Abbruch. Das Publikum ist entfesselt und wir fangen an, unsere ersten blauen Flecken zu sammeln. Direkt hinter uns toben zwei Jungens. Sie versuchen an Anna und Meri zu kommen. Aber es hält sich keiner lange auf der Bühne. Die Crew ist auf Standby...

Nach Eluveitie sind die Jungs von Tyr dran...  Tyr ist nicht so ganz mein Geschmack. Man kann nicht alles lieben ;)

Dann kommen Moonsorrow. Diese Band wurde ganz besonders angegriffen von der BIFF in Berlin.  Völlig halt- und grundlose Anschuldigungen. Ich denke mal, Herr Kratz weiß, warum er nicht im SO36 aufgetaucht ist. Vielleicht sollte er sich bei der Bildzeitung bewerben? Qualifiziert wäre er allemal...

Der Saal hat sich unerträglich aufgeheizt. Wir haben keine Getränke.  Das wird ein harter Trip. Aber wer würde jetzt aufgeben? Die Band startet mit Raunioilla und gibt als letzten Song Jotunheimen zum Besten. Ich denke, wenn man den Gesang verstanden hätte, wäre es großartig. Aber so erreichen uns nur ein paar Wortfetzen, was den Songs echt die Energie raubt. Hat mich echt interessiert, wie Moonsorrow ihre epischen Werke live präsentieren. Nun scheitert es an der Technik. Da ich mich bisher nur sehr wenig mit dieser Band auseinandergesetzt habe, kann ich nicht mehr wirklich sagen, welche Songs noch liefen.

Und endlich! Korpiklaani entern die Bühne. Nun ist das Publikum nicht mehr zu halten.  Die Leute feiern wie irre Party. Jonne heizt der Masse ein, wie wir es kennen. Wir sind mittlerweile fünfmal durchgeschwitzt. Aber es gibt kein Halten.

Wooden Pints, Korpiklaani, Cottages & Saunas, Tuli Kokko, Pellonpekko, Journey Man, Paljon On Koskessa Kiviä, Happy Little Boozer...

Und dann kommt endlich die Trommel zum Einsatz. Was uns besonders freut, Jonne joikt. Bleibt zu hoffen, dass die Trommel Bestandteil der Shows wird. Es ist zu geil!!! Wer die alten Shaman-Songs kennt und liebt, wird wissen, was ich meine. Schön, dass er es noch kann und auch bringt. Abschließend präsentiert er noch ein paar ganz spezielle Tanzschritte. Herrlich!!!

Kalle verlässt zwischendurch einmal die Bühne, was uns etwas erstaunt. Später verrät er, dass ihm der Guitar Pick gebrochen sei. Jonne wechselt einmal die Gitarre, was uns sehr freut. Ich mag die neue Gitarre von ihm nicht so

Das Publikum tanzt als wäre es das letzte Mal. Wenn man dieses Feeling nicht erlebt hat, weiß man nicht, was eine ordentliche Humppa-Party ist. Hoffentlich reicht die Energie noch für Enska ;)

Nur das Bier fällt heute sehr knapp aus. Um es genau zu sagen, kein Freibier... Halloooooo Jonne, es ist heiß im Saal. Wir sind etwas enttäuscht und bleiben durstig zurück.

Die Headliner des Abends: Ensiferum!  Der Saal tobt. Allerdings scheint die Luft etwas raus zu sein. Es geht nicht mehr so wild ab. Trotzdem, die Show ist unbeschreiblich. In den letzten zwei Wochen habe ich mir auch Ensiferum mal angetan und heute bin ich echt versucht, mir in den Allerwertesten zu beißen. Die Tour zum Album habe ich verprallt. Ensiferum ist einfach nur genial. Leider macht uns auch hier der Ton einen Strich durch die Rechnung. Die großartige Stimme von Petri dringt kaum durch. Da wir auf der linken Seite der Bühne stehen, hören wir auch von Markus nicht viel. Es ist zum Haare raufen! Dafür können wir die Einlagen von Sami in vollen Zügen genießen. Er cheert das Publikum, es ist eine wahre Pracht.  Es ist kaum zu beschreiben.  Song um Song wird in den Saal geschmettert. Keine Ahnung, ob in der Reihenfolge: Iron,  One More Magic Potion, Ahti, Lai Lai Hei , Token Of Time, Blood Is The Price Of Glory...

Petri fordert das Publikum ohne Ende. Ich meine, wir haben bereits 5 Bands hinter uns, aber er kennt keine Gnade. Was immer noch von unseren Stimmbändern übrig ist, Petri sammelt es weg... Dann verlassen Ensiferum die Bühne, um sich vom mittlerweile doch echt gebeutelten Publikum zurückbeten zu lassen. Treacherous Gods und Battle Song. Ich weiß nicht, ob ich noch zu hören war... The land is silent... before the stoooooooooooooooooooooooooorm... Einer meiner heißesten Enska-Songs. Meine Nachbarn werden den Jungs ewig für diesen Song danken.

Sami hat auch heute wieder etwas Besonderes für das Publikum. Armer Markus, dem Sami gehen anscheinend nie die Ideen aus. Heute fährt er ihm mit der Gitarre zwischen die Beine und hat natürlich die Lacher auf seiner Seite. Und heute setzt er noch einen drauf. Beim Verlassen der Bühne umfasst er seinen Bauch (ja und er hat einen ordentlich gepflegten Bauch und wirft uns auf Deutsch "Ich habe einen dicken Bauch" entgegen. Das Publikum brüllt vor Begeisterung. Der Typ ist echt der Hammer. Wenn man ihn heute sieht, kann man sich gar nicht vorstellen, dass er vor 5 Jahren noch Glatze trug. Hüüüülfe, nicht mehr vorstellbar!

Nach der letzten Band leert sich der Saal zusehends. Wir ergattern endlich kaltes Wasser und natürlich Bier. Dann suchen wir uns einen ruhigen Platz an der Seite. Leider beginnt die Crew umgehend mit den Reinigungsarbeiten. Wir werden Stück für Stück in Richtung Ausgang gedrängt. Nun gut. Klaani sind im Saal und dicht umdrängt von Fans. Wir beobachten das Gedränge aus der Ferne. Ich habe heute ein einziges Foto geschossen. Die Show war so fesselnd, dass wir die Apparate schwupp wieder in der Tasche verstauten und die Bands in vollen Zügen feiern konnten.  Ich wechsle noch ein paar Worte mit Kalle.  Nice Guy ;)

Wir setzen uns vor dem SO36 hin. Jeanny hat noch ihr Wasser, ich mein Bier. He he, ich habe mir das Beste für den Schluss aufgehoben. Wir können in aller Seelenruhe beobachten, wie das Equipment in den Bussen verstaut wird. Ein hektisches Treiben, nachts um halb eins in Kreuzberg ;)

Nach und nach kommen auch die Bands aus dem SO36. Einige versammeln sich noch vor den Bussen, andere verschwinden blitzschnell in den Fahrzeugen. Es herrscht Partystimmung auf dem Gehsteig. Jonne beglückt einen Passanten mit seinem Bier - allgemeine Heiterkeit. Der Mann ist völlig überrascht, trinkt einen Schluck, bedankt sich und gibt Jonne das Bier zurück. Der ist anscheinend in Geberlaune und so landet das Bier irgendwann bei Jeanny. Also doch noch Freubier. Hi hi, danke Jonne.

Nach einer Stunde ist der Zauber vorbei. Das Equipment ist verstaut und die Leute werden in die Busse "befohlen". Nach der dritten Ansage ist das dann auch geschafft. Ein Ameisenhaufen! Wir sind nun auch fertig mit unseren Getränken und machen uns auf den Weg ins Hotel. Es ist halb zwei und um 10 wollen wir weiter nach Leipzig, wo dann schon Anita auf uns warten wird. Das nächste Highlight dieser Tour ;)

Im Hotel ist an Schlafen natürlich nicht zu denken. Sami und Rafi waren bereits fleißig und haben ihre Eindrücke des Abends bereits veröffentlicht. Es war Sami nicht anzumerken, dass er krank war. Hut ab, der Junge ist wirklich super.

Zusammenfassend kann man sagen, dass der Abend gigantisch war. Von den Problemen mit dem Ton und der schlechten Entlüftung abgesehen, war alles super. Die Bands haben ordentlich eingeheizt und das Publikum ist voll mitgegangen. Wir hatten uns auf sechs nikotinfreie Stunden eingerichtet. Diese Befürchtung hat sich dann aber nicht bewahrheitet. Die Crew ist etwas rabiat mit den Bühnenstürmern umgegangen. Das hat uns nicht gefallen. Die wurden schlicht und ergreifend ins Publikum zurückgestoßen. Einmal wurde Jeanny von einem Stiefel am Ohr getroffen. Wir können verstehen, dass das Publikum nichts auf der Bühne zu suchen hat. Das hätte man aber anders regeln können. Leider gab es den ganzen Abend über solche Zwischenfälle. Es hieß des Öfteren, Kopf einziehen.

Wir machen uns über unsere Bierreserven her. Die wirken und eine Stunde später versinken wir in unseren Kojen.